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zuspruch &
zu einigen Texten aus tiefer graben! gelesen am 20. Dezember 2009 im Tonellis
...Seine Beziehungslyrik schwelgt in filigranen Bildern und ist
gleichzeitig sehr handfest-sinnlich. Eine Gourmandise für Geist und Libido... Leipziger Volkszeitung, 22.12.2009, Lars Schmidt
zu: Verwandlungen. Fossilien und Figuren, Ausstellung, Galerie Marktschlösschen Halle 1996
… der zunächst handwerkliche Umgang mit seinen Büchern, die eben nicht nur aus gedruckten Sätzen bestehen, sondern auch aus Papier, Pappe, Leinen und Farbe, verarbeitet buchstäblich ein Trauma. Was nun geschieht, ist mehr als Trauerarbeit: Völlgers Skulpturen, nicht selten an Giacometti erinnernd, sind so gar nicht spröde. Ironie und Heiterkeit gehen von ihnen aus; Völlger muss auch seinen Spaß an ihnen gehabt haben… Begleittext des Kataloges zur Ausstellung, Dezember 1996; Klaus Pankow … Völlgers Bücher berührten immer gesellschaftliche Tabus. Unspektakulär, fast leise, aber nachdrücklich verwies er auf Entfremdungen, Intoleranz und Ängste im scheinbar intakten DDR-Leben. Umso mehr traf und trifft ihn die Ignoranz gegenüber ernsthafter schriftstellerischer Arbeit unter den Gesetzen der Marktwirtschaft… … sind Völlgers Buchverwandlungen also eine Form von Trauerarbeit mit ironisch-provokativem Hintergrund? Ja, und zugleich ein Beweis dafür, dass er nicht nur schreiben, sondern auch modellieren und gestalten kann. Denn: der Schmerz des Zerstörens muss sich auch ein wenig in Freude am Gestalten verwandelt haben. Neben der Nachdenklichkeit, die seine Kreationen auslösen, entsteht beim Betrachter auch Heiterkeit und Vergnügen… Neues Deutschland 23.01.1997; Christine Schneider
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widerrede … diese verletzbaren, zerbrechlich wirkenden und dabei sehr sinnlichen Körper tragen Völlgers Botschaft vom Verwandeln, um bewahren zu können, am eindruckvollsten… Völlger hat mit viel Liebe und mit Ironie das Notwendige auf die ihm gemäße, unverwechselbare Weise getan… Mitteldeutsche Zeitung 14.01.1997; Andreas Montag
… was not tut, ist Abkehr von jener Postmoderne, die aus den vorgefundenen Geistesfrüchten, die sie nach Laune pflückt, ihre lächerlichen Konfitüren zusammenrührt. Was not tut, ist mitten im Informationszeitalter die Priorität von Bildung vor dem Fetisch Information, sonst werden kommende Generationen aus informierten Idioten bestehen: die wollen und brauchen keine Literatur. Und keine „Hüter der Verwandlung“, um Canettis Definition des Dichters in Erinnerung zu rufen. Die illiterare Kultur wird niemand verhindern, wenn die Literatur nicht selbst es tut. Ich weiß, dass dieses Konzept auf eine Literatur hinausläuft, die sich bewusst in Gegensatz zu unserer Zeit stellt. Ich füge dies an, um nicht für den Träumer gehalten zu werden, der ich möglicherweise bin. Aber auch das Vergebliche will getan sein… … denn das können Literatur und Kunst bewirken: Ergriffenheit vor dem verletzlichen Leben, Nachdenken über uns selber. Nein, Literatur und Kunst sind nicht machtlos. Nur: ihre Macht realisiert sich auf andere Weise. Sie ist nicht messbar, nicht abrechenbar. Sie bewegt weder Mähdrescher noch Lokomotiven – sie bewegt Menschen. Sie erhebt uns, und sie lässt uns stürzen. Und manchmal macht sie, dass uns Flügel wachsen. Laudatio zur Ausstellungseröffnung 14.01.1997; Martin Weskott
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zu: Verwirrspiel. Eine frisierte Biografie, Roman 1981 ... es ist ein tatsächliches Verdienst des Romans, dass er Nachdenken über den Helden und über uns selbst fördert, und das auch durch seine nicht unbedingt geradlinige und Zurückblättern erfordernde Erzählstruktur… … von Winfried Völlger liegen bisher einige Kinderbücher vor. Mit seinem ersten Roman hat er sich als ernst zu nehmender Autor erwiesen; man darf auf sein nächstes Buch gespannt sein... Liberal-Demokratische Zeitung Halle, 07.11.1981; M. Goerke … über allem liegt der Hauch einer gewissen Blasiertheit, mitunter auch von Labilität, die jedoch nicht als einfache Zustände in Erscheinung treten, sondern mehr als schwer gemachtes Streben nach Lebens- und Wertorientierungen. Das prekäre Verhältnis des Ich-Erzählers zum Vater, der Jugendlichen zur älteren Generation und zu deren Vergangenheit, das Suchen nach der Wahrheit darüber ist moralisch-politisch bestimmt und wird zum wichtigsten Erzählmotiv. Das alles ist ebenso interessant wie verwirrend, jedenfalls beim ersten Lesen mancher Passage,… Freiheit (Halle), 14.08.1981; Dietrich Sommer ... der Autor hat… eine komplizierte Erzählstruktur gewählt, die konzentriertes und manchmal auch suchendes Zurückschlagen verlangt. Der Roman ist eine spontane Collage von Dingen, Erscheinungen, Ereignissen, Widerklängen, Fragen und Antwortmöglichkeiten… … die Collage wird so zu einem Strom von Realität, entbehrt aber mitunter der künstlerischen Organisation. Erinnerungen, Empfindungen, Gedächtnisbilder, Rückblenden stehen manchmal zu willkürlich nebeneinander, Zusammenhänge, das Übergreifende fehlen. Angenehm ist dagegen: der Autor benötigt keine belehrenden Kommentierungen, die Moral ergibt sich aus den Handlungen selbst... Der Morgen, 03.10.1981; Roland Mischke
zu: Partitur eines verlorenen Sieges, Roman 1984/89 der im Herbst 1984 dem Hinstorff Verlag vorgelegte Roman durfte im Sommer 1989 endlich erscheinen; eine Ehegeschichte vor dem Hintergrund der die Gesellschaft in der DDR polarisierenden Raketenstationierung; unterschiedlicher Ton und Erkennbarkeit (Name, Kürzel oder anonym) spiegeln die Zerrissenheit im Diskurs jener Tage
Wie ein Puzzle setzt eine Frau die Bruchstücke ihrer Ehe zusammen, um zu erforschen, wo, wann, wie Risse kaschiert, Nichtpassendes übermalt, Heiles zerstört wurde. Sie tut das mit einer frappierenden Mischung aus Erschütterung und Distanz. Die Betroffene als nüchterne Beobachterin ihrer selbst… … eine Perspektive, die überrascht und fesselt, zumal die Bruchstück-Dramaturgie dieses Romans souverän beherrscht wird. So souverän wie seine Stilistik, seine knappe, präzise Sprache, deren Assoziationskraft große Wortmengen spart und zusammen mit besagter Montage-Technik einen Sog herstellt, der den Leser zunehmend beunruhigt… … lapidarer Ernst charakterisiert den Text. Und eine gewisse, sympathische Ironie entsteht weniger durch Worte als vielmehr durch die Montagen dieser Szenen einer Ehe, deren private Dramatik selbstverständlich und überzeugend gesellschaftlichen Konfliktstoff integriert… Die Union, Dresden 17.06.1989; Reinhard Wengierek ...während ... er (der männliche Protagonist - W. V.) immer und immer wieder bis an die äußersten Grenzen des politisch Verantwortbaren geht, sich gegen die unterschwellige Kriminalisierung von Pazifisten wehrt, schweigt seine Partnerin zu existenziell so wichtigen Vorgängen... ... mit geradezu peinlicher Präzision wird aufgezeigt, wie Geradeauslaufen im Nichts enden kann: ein Warnbild, das man sehr ernst nehmen sollte und das die eigentliche Dimension dieser Dichtung ausmacht... ... das ist wahrhaftig mehr als eine Ehegeschichte, das ist ein Bild vom gesellschaftlichen Umgehen miteinander. Hoffnung stiftet dabei erfreulicherweise die Erzählerin... Börsenblatt 44/89; Dr. Torsten Unger
... die gewollt intellektuell wirkende Schreibweise verhindert eine engere emotionale Bindung an die Erzählerin, eine Cellistin, die sich schreibend zu erinnern sucht. Das liest sich aus seltsamer Distanz, man kann einfach nicht mitfühlen... Thüringische Landeszeitung 16.08.1989; der mit "Strapaziert" überschriebene Artikel ist weder namentlich noch mit Kürzel gezeichnet
... das alte Drama, gewiß, doch macht's der Autor so sehr interessant: weil er beide Partner mit gleichrangig emotionalem, moralischem Niveau ausstattet, beiden also gleichwertige Fähigkeiten zur Konfliktlösung zugesteht... Neue Zeit 18.09.1989; R. W.
... wo es im Buch ernst wird, ist die Sprache poetisch, echt und sensibel. Der Neue Weg 14.10.1989; V. D. … der Roman gerät zu einem jener nicht enden wollenden Befindlichkeitsmonologe zwischen eigener Schuldzuweisung und Rechtfertigung, der wie das Leben selbst ist, aber eben dadurch noch nicht zur Kunst wird, die das Einzelschicksal für viele interessant macht. Zudem hat man einiges schon anderswo in besserer Verpackung gelesen. So stimmen auch in dieser „Partitur“ zwei Solisten eine dröge Melodie aus lauter Misstönen an, im Rhythmus tagtäglicher Taktlosigkeiten, die vom tiefen gegenseitigen Nichtfühlen und Nichtverstehen zeugen... Neues Deutschland, 31.10.1989; der namentlich (!) gezeichnete Verriss im Zentral-Organ der SED erschien, nachdem zwei Wochen zuvor der Autor aus dem „Roten Ochsen“ (dem halleschen Stasi-Knast) entlassen werden musste, und gut eine Woche, bevor die Mauer fiel
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..................................................................................................... zu: Das Windhahn-Syndrom, Roman 1983
… wenn Literatur überhaupt authentisch sein kann, dann ist Völlgers Roman ein authentisches literarisches Zeugnis der letzten Jahre der DDR... Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt, 16.06.1989; Reinold Schmücker … die Struktur des Romans gibt den Prozess einer Krankheitsgeschichte vor – Claudia ist von unheilbaren Lachkrämpfen betroffen – und ist doch ein Spiegel konzentrierter Erinnerungen an die gemeinsame Jugend… Norddeutsche Zeitung, 15.10.1983; Detlef Hamer ... die Figuren sind bestrebt, überkommene Begrenzungen zu durchbrechen, mit eigenen Augen fremdes zu sehen und sich dazu in Beziehung zu setzen. Das betrifft sowohl geografische als auch politische und kulturelle sowie historische Grenzen und Abgrenzungen. Das Individuum erhebt den Anspruch, eigene Erfahrungen mit dem ihm Unbekannten zu machen... NDL 3/1984; Wolfgang Mahlow … nicht nur aus literarischen Gründen, auch aus soziologischem Interesse sollte diese Anamnese einer Generation ernst genommen werden... Sinn und Form 4/1984; Christel Berger
… hier will sich jemand, so gut es geht, frei schreiben. Er will von geistigen und von geografischen Verengungen erzählen, von Verfälschungen der Realität durch Abschnürung. Claudia ist dafür das Medium. Ihre Fallgeschichte macht den Preis kenntlich, den Anpassung kostet… Deutschlandfunk, 05.03.1984; Manfred Jäger… es ist alles andere als das Buch eines bösartigen Satirikers. Es ist vor allem das listig-lustige Buch eines Schriftstellers, der mit deftigem, zupackendem Humor immer wieder auf das Leben hinweist… Radio DDR II, 24.01.1984 Bernd Heimberger
zu: Offene Schlösser, Essays 1987
… der schmale Band versammelt vier Arbeiten, verzichtet jedoch auf ein Inhaltsverzeichnis, was die innere Einheit unterstreichen hilft. Dennoch ragt „Die Handschrift des weißen Kameles“ hervor. Wer kennt nicht gewisse Unsicherheiten nach der Lektüre eines Textes: War er denn gut? Wie lässt sich das feststellen? Oder : Warum bleibt beim Lesen eine gewisse Ratlosigkeit? Es ist verdienstvoll, wie es Völlger gelingt, ein Handwerkszeug zu erstellen, das Sicherheiten in diesem Vorgang befördert. Das in Diskussionen häufig als Argument genutzte Lesegefühl drängt er durch das Herleiten von Rezeptionsmechanismen aus beibehaltenem Denken in Bildern zurück und beweist dies anhand der Geschichte vom weißen Kamel. Märchenmotive spielen für Völlger eine übergreifende Rolle. Ihre historische Herleitung ist für ihn ebenso bedeutsam wie aktualisierende Neusichtung. Dies unterstreicht er eindrucksvoll in seiner „Ontogenese eines Bilderbuchtextes“ („Scherben und Sprünge“). Wer die schriftstellerische Arbeit an den beliebten Pappbänden für die Kleinen als Nebenbeiarbeit einstufte, wird hier eines Besseren belehrt…. Liberal-Demokratische Zeitung Halle 26.03.1988; Ulrich Steinmetzger … unschlüssig steht der Leser vielmehr vor dieser disparaten Sammlung von im Essay-Stil gehaltenen Texten, die im Zwiespalt zweier Tendenzen stehen: literaturtheoretischer Beitrag beziehungsweise Teil einer poetischen Konfession zu sein. Mir scheint, es handelt sich hier vor allem um notwendige Selbstverständigungsversuche des Autors, die allerdings kaum über den individuellen Gewinn hinaus von Bedeutung sein dürften… Nationalzeitung 11.04.1988; Dr. Detlef Gwosc … in seinem wohl gelungensten Versuch schreibt Völlger über die Wahlverwandtschaft des Märchens „Hans im Glück“, von Hemingways „Der alte Mann und das Meer“ sowie Aitmatows „Scheckiger Hund, der am Meer entlang läuft“. Was zunächst sonderbar anmutet, gar kühn erscheint, wird vom Autor intelligent entwickelt. Er zeigt Zusammenhänge und Unterschiede, die für das Verstehen der Qualitäten aller drei Texte eigentlich unentbehrlich sind. Wäre ich Herausgeber einer Literaturzeitschrift, ich versicherte mich der Mitarbeit Völlgers für den Essayteil… Sächsische Zeitung 15.01.1988; J. Felmer
zu: Wehrpflicht, Roman 1990 ... die Geschichte selbst ist klug ausbalanciert zwischen direkter Wirklichkeitsdarstellung und parabelhaft überhöhtem Vorgang. Ein Achtzehnjähriger macht sich darin auf die Suche nach der Wahrheit… … der Junge findet viele Wahrheiten. Durch den ständigen Wechsel der Erzählerfiguren entsteht ein vielschichtiges, widersprüchliches Bild des Vorganges und der Personen. Die von ihnen vorgetragenen Versionen bieten überraschende Wendungen… dementsprechend gibt es auch keine endgültige Klärung… DLZ 25/91; Wolfgang Mahlow … der Vater des Jungen kam bei dem tabuisierten „Tschechen-Feldzug“ von 1968 ums Leben, als DDR-Truppen – dreißig Jahre nach Annexion des Sudetenlandes – sich daran beteiligten, den Prager Frühling zu beenden… … in einem eigentümlichen Kontrast zwischen ruhigem Erzählton und der erwartungsvollen Spannung des Konjunktivs kreisen achtzehn in wechselnder Perspektive gehaltene Abschnitte sein Schicksal ein… FAZ 28.01.1991; Katrin Hillgruber … über die aufgeführten Fakten wird man nicht rechten können, wer sich angegriffen fühlt, sollte sich verteidigen. Die ästhetische Umsetzung ist beeindruckend, wie immer in Völlgers Romanen... … aber für all jene, die nicht nur Spannung in der Handlung – die bietet der Text in hohem Maße – erwarten, sondern auch Einspruch und Bestätigung zu formulieren haben, ist dieses Buch eine geeignete Lektüre. Und es ist ein bedeutendes Buch, auch seinen Verfasser möchte man inzwischen zu den bedeutenden Autoren zählen. Hoffentlich teilt er nicht deren Schicksal: bedeutende Autoren werden erst spät gelesen… Mitteldeutsche Zeitung 11.06.1991, R. Bernhardt
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